Antisemitismus in evangelischen Pfarrhäusern

25Jan12

Lilly Neumark entging dem Holocaust, indem sie untertauchte und bei Angehörigen der bekennenden Kirche Unterschlupf fand.

In den Pfarrhäusern aber war sie einem Antisemitismus ausgesetzt, der, so Wolfgang Benz, Hitler alle Ehre bereitet hätte.

“Da ist das Rettungsmotiv einmal, man will sich doch von einer anständigen Seite zeigen, zum anderen aber auch, diese Jüdin für den christlichen Glauben gewinnen und damit ein frommes Werk tun.”

Lily Neumarks Erfahrungen in evangelischen Pfarrhäusern greift Wolfgang Benz auf, um die sogenannte deutsch-jüdische Symbiose Anfang des 20. Jahrhunderts zu hinterfragen. Eine soziale und kulturelle Gleichstellung der Juden, wie sie einige Historiker rückblickend für die Weimarer Republik konstatieren, hält Benz für eine nachträgliche Verklärung. Ohne eine lange Tradition der Ausgrenzung hätte der Nationalsozialismus nicht so schnell so erfolgreich sein können.

Otto Langels “Entwurzelt und gedemütigt” 2012 (zuletzt abgerufen am 25.01.2012)
Wolfgang Benz: “Deutsche Juden im 20. Jahrhundert. Eine Geschichte in Portäts” Verlag C.H. Beck München 2011



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